Schöne Sterne – oder: wie wir in’s Ruhrgebiet kamen

Soso, „Schöne Sterne“ Treffen in Hattingen – ein Treffen für alle Fahrzeuge mit dem Stern vornedrauf. Organisiert von den Mercedes-Freunden.de, Aha. In 2012 hatten wir das auch schon im MBSLK Terminkalender gelesen und nicht weiter beachtet. Hört sich für uns irgendwie wie Manta-Treffen an und überhaupt, Hattingen? Hattingen – liegt das nicht in der Nähe von Hechingen und Metzingen? Da irgendwo im schwäbischen? Dann blieb mein Auge an dem Satz “ … vor der historischen Kulisse des Stahlwerks …“ hängen. Äääähemmm, da passt was nicht. Also schnell bei der allwissenden Tante Google nachgeforscht, und siehe da: Hattingen ist die zweitgrößte Stadt des Ennepe-Ruhr-Kreises in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt im südlichen Teil des Ruhrgebiets Punkt. Setzen Bernd – Geographie 5 ! Punkt.

Ok, das hätten wir gelöst und das mit dem Stahlwerk hört sich interessant an.  Auch hier ist man mit Wikipedia sehr schnell schlauer und findet raus, dass die Henrichshütte eins der traditionsreichsten Hüttenwerke des Ruhrgebiets war und 8.500 Mitarbeitern Arbeit gab. Ab 1987 erfolgte die schrittweise Stilllegung und heute ist z.B der ehemalige Hochofen 3 Bestandteil des LWL-Industriemuseums und Ankerpunkt der Route der Industriekultur. Also unter diesem Aspekt sollte man doch noch mal nachdenken … und so kamen wir zu dem Entschluss, dieses Treffen in unseren Terminkalender aufzunehmen. Und zwar nicht nur wegen dem Treffen, sondern ein bisschen Hauch von Ruhrgebiet sollte es schon werden, eine kleine Rundfahrt mit einigen Highlights der Route der Industriekultur wird sich schon finden. Ich war beruflich schon zwei- oder dreimal in Essen auf Tagungen und so ein kleines bisschen Sightseeing konnte ich schon einbauen, das sollte als Basis dienen.

Hochofen 3 - mehr ist nicht geblieben
Hochofen 3 – mehr ist nicht geblieben

Durch die Kommunikation im MBSLK-Forum war der logistische Rahmen schnell abgesteckt: Anreise Freitag, Hotel in Hattingen, Treffen und Ausfahrt am Samstag, Heimreise Sonntag. Nun kommt die Phase, die mir immer sehr viel Spass macht: die Planung.  Also mal bei Amazon Literatur besorgen, man will ja wissen, was einen da erwartet: Marco Polo Führer Ruhrgebiet, Entdeckungsreise Ruhrgebiet, Haldenführer, Pommesführer Ruhr (die 50 kultigsten Buden, falls man unterwegs Hunger kriegt), einen Atlas der Route der Industriekultur hatte ich schon. Tja, warum das alles? Vielleicht, weil man als Südhesse und Landei aus dem Odenwald das mit dem Ruhrgebiet so immer am Rande mitgekriegt hat. Damals, in den 70gern war das der Ruhrpott. Das kannte man nur aus dem Fernsehen – eine Industrielandschaft soweit das Auge reicht, Zeche an Zeche, Stahlwerke, Hochöfen, Kokereien. Die Krupps mit ihrer Dynastie, und Leute, die anders aussahen und anders sprachen als wir. Kohle im Gesicht und ein Helm mit Lampe auf. Das alles natürlich in Schwarzweiss und wo sonst konnte man Sätze mit hassamssa und hattata bilden? „Hassamsamstaach Schalke gesähn? Hattata gereeechnet!“

Gut – genug der Klischees, heute ist das Ruhrgebiet grün, es gibt noch genau eine Zeche, die Halden sind bewaldet und der Himmel ist blau. Dafür gibt es aber noch jede Menge Industriedenkmäler und ein paar wollten wir auf unserer Runde abfahren. Auch wenn ein richtiges Besichtigen wegen der knappen Zeit unmöglich war – wenigstens mal da gewesen sein und gesehen haben!

Aber fangen wir vorne an. Wie gesagt, so ein großes Treffen kannten wir nicht und wir wussten auch nicht genau was da auf uns zukam. Jedenfalls erreichten wir am Freitag Abend nach staureicher Anfahrt unser Hotel in Hattingen, das erstens sehr schön war und zweitens nur 10 Minuten vom Gelände entfernt lag. Unsere Erwartung, hier schon einige Teilnehmer, vielleicht sogar Bekannte zu treffen wurde nicht erfüllt – aber egal, ein leckeres Abendessen im Hotelrestaurant verwöhnte uns und liess die Stimmung steigen. Wir entschlossen uns zu einem kleinen Verdauungsspaziergang und wollten uns das Gelände der Henrichshütte schon mal anschauen. Es wurde schon dunkel, aber dank meiner Orientierung fanden wir über Fußwege und über eine verlassene vierspurige Strasse zum Ort unseres Interesses. Die Henrichshütte, genauer gesagt der übrig gebliebene Hochofen, war auch nicht zu übersehen da farbig illuminiert und eine echte Augenweide. Die Schilder und Plakate des Treffens hingen schon, aber sonst war alles verlassen, leer und tot. OK, nicht ganz: eine auffällig getunte C-Klasse fuhr vor und interessierte sich auch für diesen wundersamen Ort. Wir waren jedenfalls froh, schon angereist zu sein, denn diese abendliche Stimmung war irgendwie toll!

MBSLK bei den Schönen Sternen
MBSLK bei den Schönen Sternen

Der Samstag. Wir waren recht früh, da Andrang zu erwarten war. So gegen 9:15 Uhr rollten wir zum Gelände – jetzt war es nicht mehr verlassen und leer sondern eine Schlange von diversen Mercedes Automobilen stand vor dem Tor, das mit reichlich Ordnern besetzt war. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe macht stark und gibt Selbstbewusstsein – wir sind schließlich MBSLK und was sind schon die anderen ca. 1.700 Teilnehmer gegen uns 20? Also hinten anstellen? Ja nee, is klar, wir fahren an der Schlange vorbei, stellen uns vorne quer in den Verkehr und begrüßen erstmal in aller Ruhe Susanne und Roland, die wir da vorne entdeckt haben. Den wütenden Kommentaren anderer nicht-SLK-Fahrer konnten wir ein unschlagbares Argument entgegen setzen: wir gehören doch dazu! OK, wir sind dann einsichtig geworden und haben uns hinten angestellt …

Auf dem Gelände schob sich eine nicht enden wollende Kette von diversen Mercedes Modellen zu den meist reservierten Stellflächen der einzelnen Markenclubs. Sven hatte für uns eine Fläche für 20 SLKs gebucht, die wir auch erfolgreich gegen andere Platzsuchende verteidigten. Klappstühle wurden strategisch aufgebaut und Uwe hatte sogar Kuchen für alle dabei. Es wurde richtig gemütlich. Zeit, sich mal in Ruhe umzuschauen. Es gab wirklich alles, was einen Stern vorne drauf hatte. Vom Oldtimer über Nutzfahrzeuge, historische Feuerwehrautos, Geländewagen, die komplette PKW Palette bis hin zur schneller-tiefer-breiter Fraktion. Einige Info-Stände und eine Bühne, auf der einige besonders schöne oder interessante Fahrzeuge vorgestellt wurden. Womit wir wieder bei MBSLK waren, denn wir präsentierten dort den 171er von Matthias & Sabine, der mit allen seinen Umbauten ein echter Hingucker ist. Matthias konnte auch zu allen Details erschöpfend Auskunft geben und so blieb keine Frage der Moderatoren zu Klappenauspuff, Domstrebe oder Gewindefahrwerk unbeantwortet. Ganz im Gegensatz zum folgenden Fahrzeug. Ein carbonfolierter SLS rollte, die Flügeltüren offen und der Fahrer mit linkem Bein lässig herausgestreckt, auf die Bühne.  Auf die erste Frage des Moderators, was er uns denn zu seinem Fahrzeug sagen konnte: „Nichts, ich bin nur der Besitzer, da müssen Sie meinen Tuner fragen.“ Der kam dann auch gleich angewieselt und konnte zu den Details tatsächlich was sagen. Naja …

Gegen 15 Uhr starteten wir dann zu unserer Rundfahrt. Ich war ganz beruhigt, denn wir waren 6 SLKs und das ging noch. Wenn alle 20 mitgewollt hätten, das wär bei einer Tour durch die Großstadt nie gut gegangen! Wie gesagt, die Tour hatte ich mit meinen Reiseführern und Google Maps geplant – spannend.  Die erste Station – die Krupp-Villa Hügel – war schon ernüchternd. Kein Blick auf die Villa, denn die Zufahrtsstraße war mit einer Schranke gesperrt und ein Zerberus verlangte tatsächlich 5,- Euro pro Person für die Durchfahrt! Nein Danke, wir wenden lieber. Dafür drehten wir eine Runde durch die schöne Siedlung Essen-Margarethenhöhe und weiter ging’s über den Ruhrschnellweg nach Oberhausen. Dort zwang uns erstmal eine grauslige Umleitung mitten durch die Stadt und dann rollten wir schließlich an dem Ort vorbei, an dem im Ruhrgebiet alles begann. Die St. Antony Hütte wirkt heute eher idyllisch und ländlich.

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Tetraeder auf der Halde Prosper

Einen Stopp legten wir auf der Prosper-Halde am Alpincenter in Bottrop ein. Alpincenter? Ja, tatsächlich gibt es hier eine Abfahrtspiste in einer Halle! Für uns aber wesentlich interessanter war die Aussicht von hier oben. Mit Matthias hatten wir einen Ortskundigen dabei, der uns erklären konnte, was sich hier dem Auge bot. Toll! Ein bisschen Ruhrgebiet wie früher gab’s auch, die Kokerei Prosper ist noch in Betrieb und zeigte uns ihre Dampfwolken beim Löschen der Koksbatterien. Merkwürdig wurde es beim Weltkulturerbe Zeche Zollverein: dort erwartete uns ein beachtliches Aufgebot an Polizeiwagen. Oder waren es wohl die Horden von Jugendlichen in seltsamen Gewändern, die vom Gelände der Zeche zu wartenden Bussen zogen? Das ganze wirkte etwas surreal. Zumal zwei der Polizeifahrzeuge sich wohl zu nahe gekommen waren und etwas demoliert waren. Dass Gerd hinter mir bei diesem Anblick laut loslachen musste, war vielleicht nicht so ideal … denn gerade hier wurde unsere Kolonne durch eine der gefühlt etwa 200 Ampeln dieser Tour auseinander gerissen. Die Kolonnenregel sagt, an der nächsten Abzweigung auf den Hintermann warten. Wenn aber ausgerechnet da kein richtiger Platz zum warten da ist, kommt bestimmt jetzt ein Streifenwagen von hinten an und eine genervte Stimme sagt “ nu wirded aber Zeit zum Weiterfahren, woll!„. Schon waren wir zwei SLKs weniger …
Ich habe meine Gruppe schließlich wieder zusammen bekommen und gut am Hotel abgeliefert. Dort gab es heute Grillbuffet – ein würdiger Abschluss eines schönen Tages.

Am Sonntag fuhren wir noch kurz zum Treffen und plauderten noch etwas – schon interessant, wie man sich an so einer Domstrebe festreden kann. Muss man katholisch sein, um sie einzubauen? Gibt es auch eine Moscheestrebe oder eine Synagogenstrebe? Muss das Kühlwasser dann geweiht sein? Fragen über Fragen … Wir machten uns dann auf den Heimweg, nach zwei schönen Tagen mit einem abwechslungsreichen Programm warteten zuhause zwei Kätzchen und eine bequeme Couch. Und nächstes Jahr sind wir wieder dabei!

die Anbetung der Domstrebe
die Anbetung der Domstrebe

 

 

Die Bilder dieses Wochenendes gibt’s hier!

 

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