Schmucker Brauerei im März

Was macht man, wenn man einen HEST im Winter organisieren will, eine Ausfahrt aus klimapolitischen Realitäten aber nicht zur Debatte steht? OK, dann wenden wir uns also der Kultur zu! Es schadet ja auch nix, wenn man nicht nur sinnlos durch die Landschaft saust, -zig Liter Superkraftstoff in seine Oxidationsprodukte überführt und der staunenden Bevölkerung zeigt, dass es SLKs fast nur in silber und schwarz gibt …
Nein, im Winter werden wir uns mal um die Bildung kümmern, jawoll! Wäre doch gelacht, wenn sich außer Kochkässchnitzel und Käsekuchen nicht auch noch geistige Nahrung finden würde. Schließlich zeigt der tägliche Blick in’s MBSLK.de Forum doch, zu welch intele … intelle … intelek … äh also quasi (wo ist denn hier die Rechtschreibprüfung auf der Tastatur!) … jedenfalls werden da immer ganz schlaue Beiträge geschrieben und wir als SLK-Fahrer haben da ja auch eine Vorbildfunktion. Ufff … – also Bildung! Gut, dass wir hier im Rhein-Main Gebiet mit Frankfurt ja bekanntermaßen die Kulturmetropole vor Augen haben.

Also schauen wir mal: was gibt’s denn so im Angebot … Aha, da wäre z.B. im Dialogmuseum „Dialog im Dunkeln – Ausstellung zur Entdeckung des Unsichtbaren“, sicher ein gutes Roadster-Thema. Aber auf Nachfrage hätten wir da höchstens mit 50 Personen teilnehmen können – und das erscheint uns bei dem bewegenden Thema doch zu wenig. „Der junge Goethe in Frankfurt am Main“ im Goethe-Haus wäre sicher auch ein Knaller – aber da kann man so schlecht parken. Na ja, wir wollen Euch nicht mit dem komplexen Auswahlprozess der Orga für den 77. HEST langweilen – letztendlich haben wir uns für eine Brauereibesichtigung in der Schmucker-Brauerei im Mossautal entschieden ;-)))

Am Samstag, den 16. März – also im Monat des Frühlingsbeginns – traf sich eine quasi internationale Truppe von MBSLKlern auf dem Hof der Brauerei. Aus dem Saarland, aus Baden-Württemberg waren sie gekommen. Und ein paar Hessen waren natürlich auch dabei. Auch ein SLK stand auf dem Parkplatz. Ja, genau einer! Es lag nämlich noch Schnee im Odenwald, und nicht nur da. Der nicht enden wollende Winter vertrieb jeglichen Gedanken an eine Ausfahrt – aber OK, wir wollten uns ja auch kulturellen Aspekten widmen.

Die Schmucker-Brauerei lag einsam und verlassen da an diesem Samstag, gebraut wird eben nur werktags. Aber pünktlich um 16 Uhr öffnete sich für uns das Werkstor und unsere Führerin erwartete uns. Los ging’s mit der einstündigen Führung und zwar zuerst mit dem theoretischen Teil (ich sag’s doch – Kultur!): woraus besteht das Bier? Hopfen und Malz, Wasser – klar, wissen wir (nein Tanja, Cola gehört nicht dazu). Aber schon beim Thema Hopfen sollte unser Weltbild den ersten Knacks bekommen. Was wird vom Hopfen verwendet – die Dolden, also die Blüten. Aber hier nur und ausschließlich die WEIBLICHEN. Jawoll, Ihr habt richtig gehört! Die männlichen Blüten taugen nix, hängen nur mickrig rum und geben einen schlechten Geschmack. Darum sind Hopfenfelder komplett weiblich. Wer’s nicht glaubt, lese bei Wikipedia nach. Glaubt uns: auch wir mussten diese Erläuterungen unserer Führerin erstmal verdauen. Da standen wir nun in den Gängen der Brauerei und so langsam setzte sich die Erkenntnis in unseren Gehirnwindungen fest: Bier ist ein feminines Getränk! So, jetzt isses raus, die Geschichte des Biertrinkens, so wie wir es kennen, wird neu geschrieben werden müssen. „Schatz, es wird heute Abend etwas später, wir haben ein feminines Anliegen“ …

Ihr seht schon, bierernst ging es nicht gerade zu! Auf unserer Tour durch die Produktionsanlagen konnten wir dann die weiteren Fakten aufnehmen: 17 Sorten Bier werden hier gebraut, die Brauerei versorgt hauptsächlich die nähere Umgebung im Odenwald mit Gerstensaft und das seit 1780. Seit 2006 gehört Schmucker zur Brau Holding International, wird aber als eigenständiges, familiäres Unternehmen geführt. Malzlager, Sudpfannen, Gärtanks, Flaschenreinigung, Abfüllanlage … nachdem wir dem Weg des Bieres gefolgt waren, erwartete uns im Sudhaus der krönende Abschluss der Führung: eine Stunde lang durften wir nach Herzenslust die Produkte der Schmucker-Brauerei verkosten. Natürlich nahmen wir das zum Anlass, die frisch erworbenen Kenntnisse gemeinsam zu reflektieren und in den sozio-kulturellen Kontext zu positionieren. Ihr seht schon, es wurde einiges geschluckt. Inwieweit der „Rosébock“ jetzt allerdings mit dem feministischen Gedanken zu vereinbaren ist, konnte nicht ausdissudiert, aussdik … geklärt werden.

Da Kultur nie einseitig sein darf, stand auch noch ein Besuch des zugehörigen Brauereigasthofs auf dem Programm. Das war auch sicher nötig, denn nach der Bierverprobung brauchte der Magen was handfestes. Das Mälzerschnitzel harmonierte prächtig mit dem Bier und auch die anderen Leckereien der Speisekarte lockten zum reichlichen Verzehr. Kurzum, es wurde ein seeeehr lustiger Abend, irgendwie konnte der Unterschied zwischen Haupt- und Seitenständer noch geklärt werden und Ihr merkt schon, dass es keinen Sinn macht hier noch weiter in den Einzelheiten zu wühlen. Manche Sachen muss man einfach erleben …
Fast alle hatten die Option der Übernachtung gewählt – äußerst sinnvoll, denn den perfekten Dreiklang bilden hier Brauereiführung – Brauereigasthof – Brauereihotel. Soviel zum Thema Kultur!

Am nächsten Morgen saßen wir noch gemeinsam gemütlich beim Frühstück beisammen und bewunderten den leichten Schneefall, der draußen den Odenwald schon wieder leicht überzuckerte. Irgendwann wird auch mal der Frühling kommen – vielleicht beim nächsten HEST!

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