Im Wartezimmer

Manchmal muss man halt mal zum Arzt gehen. Nein, nichts wirklich aufregendes, aber von Zeit zu Zeit empfiehlt der Hausarzt zur Kontrolle mal den Besuch bei einem Facharzt. Und da kann man was erleben – besonders wenn man vom schon erwähnten Hausarzt und seiner Praxis extrem verwöhnt ist. Dort (auf dem Land) ist die Welt noch in Ordnung, man ist bekannt, die Praxis gut organisiert, man ist einfach gut aufgehoben. Beim Facharzt (in der Stadt) kann man schon andere Sachen erleben. Ob Radiologen, Neurologen oder Nuklearmediziner – meist große Praxen, in denen sich im Wartezimmer dann auch entsprechend viele Patienten einfinden.

Wenn sie dann mal einen Termin ergattert haben. Aber das ist eine andere Geschichte. Gehen wir also davon aus, dass wir uns rechtzeitig (also als die Bäume noch Blätter trugen) um einen Termin gekümmert haben, dann sitzen wir jetzt (im Frühjahr) in einem spärlich möblierten Wartezimmer und ja, der Name ist Programm! Wir warten. Bei dieser Gelegenheit fallen mir immer die Arztserien aus dem TV ein, die ich so gerne sehen. So eine Episode dauert meistens etwa 45 Minuten – realitätsnahes Fernsehen würde in diesem Zeitraum extrem handlungsarm sein, denn den Arzt würden wir frühestens in Folge 2 zu sehen bekommen.

Aber dafür bekommen wir ja auch was geboten. Der Mikrokosmos Wartezimmer gibt uns die Gelegenheit, unsere Mitmenschen kennenzulernen. Es sei denn, wir nutzen das Angebot an Lesestoff, das uns in Form von mehreren Zeitschriften geboten wird. Da mir aber „Echo der Frau“ weder inhaltlich was gibt und der Zustand der Blätter deutlich Spuren regen Gebrauchs aufweist, schaue ich mich lieber um. Was sofort auffällt: die Abhängigkeit der menschlichen Rasse vom Smartphone hat inzwischen bedenkliche Ausmaße angenommen. Ja, manche Hände scheinen fast verwachsen mit diesem Kommunikationsinstrument. Ständig wird getippt. WhatsApp, Twitter, Facebook – anscheinend wird für tot erklärt, wer sich länger als 10 Minuten nicht meldet. Auch wenn an Rezeption und im Wartezimmer deutliche Schilder darauf hinweisen, dass man doch sein Handy bitte ausschalten möge – hier herrscht selektives Wahrnehmungsvermögen, sowas scheint auf der Netzhaut nicht anzukommen. Fleißig wird los getippt: „sitze seit 5 minuten im wartezimmer“, „sitze nun schon 10 minuten im wartezimmer“, „sitze jetzt 20 minuten…“ und so weiter.

Das kann aber mal in’s Auge gehen. Schön mit zu verfolgen war der Fall der Patientin M. Da man in einer Facharztpraxis oft mehrere Stationen durchlaufen muss, darf man mehrmals im Wartezimmer Platz nehmen. Frau M. war schon zu Anfang sehr mit ihrem Handy beschäftigt. Nach dem ersten Teil der Untersuchung nahm sie wieder Platz, begab sich aber bald in der Vorraum der Praxis um offensichtlich zu telefonieren (was man in einem Spiegel erkennen konnte). Hmmm … könnte spannend werden, denke ich mir und schon geht die Tür zur Behandlung auf – „Frau M. bitte!“ …. „Frau M. bitte!?“ …. „Frau M.?“ OK, ein Anderer durfte in die Lücke springen. Frau M. erschien dann nach 5 Minuten wieder, nach etwa 1 Minute wanderte das Handy zwanghaft wieder in ihre Hände und bald entschwand sie wieder nach draussen um zu telefonieren und – ja, genau so kam es:  „Frau M. bitte!“ …. „Frau M. bitte!?“ …. „Frau M.?“

Nachdem sie dann wieder einmal Platz genommen hatte, beschwerte sie sich beim Personal über die lange Wartezeit. Was dann aber irgendwie nach hinten los ging …

Erzgebirge und Prag 2014

Mit MBSLK.de sind wir immer gern unterwegs. Hört sich jetzt an wie Reklame für ein Reisebüro – aber genau das ist es eben nicht. MBSLK als Internet-Community zeichnet sich dadurch aus, dass es von den Aktivitäten seiner Mitglieder lebt und das macht es immer wieder so reizvoll, gemeinsam auf Tour zu gehen. Und da kommen immer wieder Ideen auf, die uns in Gegenden führen, die wir vorher nie gesehen haben. Gut, schon in 2012 haben wir uns im Erzgebirge getroffen, Dresden besichtigt und die kurvigen Sträßchen im Elbsandsteingebirge unter die Räder genommen – aber was Sven & Tine für dieses Jahr geplant hatten, das war wirklich mal wieder was Neues.

So viel zu dem Teil dieses Berichts, den man gemeinhin mit „Einleitung“ umschreibt. Also ja, die Tour fand vom 1. bis 4. Mai statt und es war eine Tagestour und ein Besuch in Prag geplant. Diese mit dem Bus, was bei einer Sightseeing Tour ja durchaus sinnvoll ist.

Einige Tage vor diesem verlängerten Wochenende wurde es dann konkreter. Ein Mail mit zahlreichen Anhängen flatterte in’s Haus (kann man das heute eigentlich noch so schreiben 😉 ?) und schon war klar: whow – wo ist das denn? OK, die Unterkunft im Waldhotel am Aschergraben in Geising bei Zinnwald, direkt an der Grenze zu Tschechien, die Ecke kannten wir schon irgendwie. Aber die Oberlausitz als Ziel der Ausfahrt, das war ein weißer Fleck auf unserer Landkarte. Rothenburg kannten wir bisher nur als romantisches Städtchen oberhalb der Tauber und nicht als ehemaligen NVA Flughafen direkt an der polnischen Grenze. Aber so lernt man dazu. Zuerst waren am 1. Mai aber 540 Kilometer Anfahrt zu bewältigen, vorzugsweise auf der Autobahn, denn wir wollten ja erstmal nur hinkommen. Dem stand auch nichts im Wege, kaum Verkehr und eine wunderbar ausgebaute A4 mit drei Spuren, die einem schon den Gedanken an eine V-Max Aufhebung nahelegte. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so lange konstant so schnell gefahren zu sein. Das aber nur nebenbei, denn wir wollten ja nicht auf der Autobahn rasen sondern schöne kurvige Landstraßen im offenen SLK genießen.

SLKs im Nebel
ein nebliger Morgen

Das war das Thema am Freitag. Wobei sich das rechte Cabrio-Feeling nicht unbedingt gleich einstellen wollte, was dem Wetter geschuldet war. Positiv war zu vermerken, dass es nicht regnete. Ansonsten hatten wir so etwa 8 Grad (plus) und Nebelschwaden zogen durch die dichten Wälder des Erzgebirges. Was aber fast alle nicht daran hinderte, die Tour mit offenem Dach zu beginnen. Schließlich sind wir ja keine Weicheier …

Gut gelaunt ging es erstmal in Richtung Elbe – wirklich schade, dass man landschaftlich kaum was mitbekam, da von Fernsicht keine Rede sein konnte. Die Streckenführung war jedenfalls gut gewählt, die kleinen Nebenstraßen waren frei von störendem Verkehr und schön kurvig. Die Festung Königstein tauchte kurz im Blickfeld auf und in Bad Schandau überquerten wir die Elbe und näherten uns der Lausitz. Die Landschaft änderte sich merklich. Auffallend waren in der hügeligen Gegend die riesigen Rapsfelder, die gerade in voller Blüte standen. Nicht auszudenken, was das für Aussichten gewesen wären wenn nicht … ja, wenn nicht dieser Nebel unsere Welt erheblich verkleinert hätte. Aber auch so ergaben sich schöne Motive.

Rapsfelder in der Lausitz
Rapsfelder in der Lausitz

Interessant auch die kleinen Ortschaften. Für mich war auffallend, dass doch etliche Häuser sehr schön renoviert waren. Klar, es gibt immer noch einige Ruinen, Spuren aus DDR-Zeiten, aber auch viele liebevoll restaurierte Anwesen in einem Baustil, der mir in dieser Form neu war. Umgebinde nennen die Fachleute (und natürlich auch die Einheimischen) diesen Stil. Drei Fensterbögen heben sich deutlich vom Rest des Hauses ab, denn sie ´umbinden´ die „gute Stube“ des Hauses. Wie üblich weiss Tante Wiki näheres zu diesem Thema. Während diese architektonische Besonderheit charakteristisch für das Zittauer Mittelgebirge war, hatte die Oberlausitz endlose Kiefernwälder zu bieten. An einem heißen Sommertag muss das hier toll riechen! Aber wir hatten es ja leider zu kühl und so behielt <i „>Pinus sylvestris ihre Duftstoffe für sich. Ihr seht, ich hab inzwischen reichlich gegoogelt …

Was ich aber auch nach reichlichen Recherchen im Internet nicht klären konnte ist die Frage, warum diese Kiefernwälder in der Oberlausitz alle offensichtlich das gleiche Alter haben. Jeder Baum sieht identisch aus und diese Wälder müssen alle in etwa zur selben Zeit angelegt worden sein. Natürlicher Wald sieht jedenfalls anders aus. Ob das ganze etwas mit dem Braunkohletagebau zu tun hat, dem in dieser Gegend ganze Dörfer zum Opfer fielen – keine Ahnung. Wir bewegten uns auf unserer Tour eigentlich südlich der rekultivierten Fläche, dem Lausitzer Seenland.

C&W Flair
C&W Flair

Einen ungewohnten Anblick bot auch das Ambiente unserer Mittagspause. Mitten in diesen endlosen Kiefernwäldern ein Ort namens Kosel mit knapp 500 Einwohnern und einer Lokalität namens Sweet-Water Station. Wer da nicht neugierig wird …. und tatsächlich fanden wir uns in einem stilgerechten Saloon mitten im Wilden Westen wieder! Genial! Da wir fast 50 Personen waren, wurde für uns ein Buffet aufgebaut. Schöne Sache! Fehlte nur noch, dass auf der stilgerechten Bühne eine Country-Band aufspielen würde … aber man kann nicht alles haben 😉 .

MIG Kampfjet
eine alte MIG

Ein ganz anderes Highlight  erwartete uns nur wenige Kilometer weiter östlich. „Östlich“ sollte man betonen, denn viel weiter in diese Richtung hätten wir auf deutschem Boden nicht kommen können. Bis ca. 500 Meter vor die polnischen Grenze hatte uns die Tour geführt, das war hier übrigens die Neiße (Oder-Neiße Linie, da war doch was). Eingebettet in diese endlosen Kiefernwälder galt es den ehemaligen NVA-Flugplatz Rothenburg zu besichtigen. Der ist inzwischen natürlich nicht mehr militärisch genutzt und was da an historischen Kampfjets rum steht ist wirklich nicht mehr flugfähig – was sicher auch besser so ist. Jedoch hat man dort gesammelt, sowohl Flugzeuge des Ostblocks als auch ihre Pendants auf Seiten der NATO, und ein ehemaliger Feuerwehrmann des Flugplatzes erklärte uns den geschichtlichen Zusammenhang und jede Menge technischer Hintergründe. Was richtig interessant war, nur … nur leider war es saukalt und der Wind pfiff ekelhaft um die Exponate. So hielt leider nur der harte Kern der Interessenten bis zum Ende der Führung durch und immer mehr suchten den Schutz der Gebäude auf.

Die Rückfahrt führte uns durch die verträumte Landschaft der Oberlausitz wieder zurück in Richtung Elbe. Was etwas irritierte – es war kurz vor den Europawahlen – waren die überaus vielen Wahlplakate der NPD. „Masseneinwanderung stoppen“ – als ob sich in den dünn besiedelten Dörfern hier die Migranten nur so auf die Füsse treten würden … dabei hatten wir seit bestimmt drei Stunden noch nicht einmal eine Döner-Bude gesehen!

Beim Grillen am Abend stand dann nur der Grill draussen. Diejenigen, die oben in Zinnwald wohnten, berichteten von ersten Schneeflocken …

Am Samstag morgen erwartete uns der Bus. Ein richtiger Reisebus, mit Fremdenführer, Instant-Kaffee und Kleinverkauf an alkoholischen Getränken. Nein, MBSLK-Heizdecken und MBSLK-Geschirrsets waren noch nicht im Angebot. Aber so konnten wir den Trip nach Prag richtig genießen, ohne Parkplatzsorgen und Angst um unsere schönen SLKs – eine tolle Idee! Die Hinfahrt nutzte unser Fremdenführer zu einigen Informationen über unser Tagesziel, die von den meisten der Teilnehmer aufmerksam und sehr konzentriert verfolgt wurden 😉 . In Prag ist sehr viel los, da hatte uns der Guide schon vorgewarnt. Samstags besonders, allerdings heute bei nicht so gutem Wetter vielleicht etwas weniger. OK – wir wurden also an einer Moldaubrücke ausgesetzt und erstmal in der Horde durch die Stadt geleitet.

Entspannung pur
Bustouristen

In Prag ist wirklich sehr viel los! Genauer gesagt: in Prag ist die Hölle los. Wer Kommunikationsprobleme hat und Anschluss sucht, der stelle sich einfach mal an die Karlsbrücke, hebe einen Schirm oder ähnliches in die Luft und spreche ein paar Worte. Schon hat er eine Gruppe Touristen um sich geschart, die ihm bereitwillig folgen werden. Aber Prag ist eine Reise wert, definitiv! Unser Programm sah als erstes eine geführte Tour durch die Altstadt vor, danach hatten wir drei Stunden zur freien Verfügung bevor uns der Bus wieder einsammelte.

Prag hat laut Wikipedia ca. 1,2 Millionen Einwohner – ich persönlich glaub das aber nicht. Eigentlich besteht die Stadt nur aus Touristen und für Einwohner hat’s da gar keinen Platz. So jedenfalls fühlt es sich an. Die Führung war sicher interessant, mitbekommen hab ich aber kaum was. Wegen der Menschenmasse war kaum etwas zu verstehen, allerdings hatten wir einschlägige Reiseführer im Gepäck und waren vorbereitet. So konnten wir wenigstens nachvollziehen, wo wir gerade waren. Sagte ich schon, dass Prag eine tolle Stadt ist? Man sollte nur mehr Zeit haben. Um 12 Uhr waren wir pünktlich am Altstädter Rathaus, um zusammen mit gefühlten 100.000 anderen Touris das Glockenspiel zu hören. OK, da geht dann ein Türchen auf und zwei Figuren kommen raus … es gibt sicher schöneres in Prag.

Karlsbrücke
Karlsbrücke

Nach der Führung wollten wir eigentlich hinauf zum Hradschin um die Prager Burg zu sehen – aber die Zeit war einfach zu knapp. So schlenderten wir durch die Gässchen auf der Kleinseite, fanden noch ein nettes Bistro für einen Snack und jede Menge Fotomotive. Wobei wir da in bester Gesellschaft waren: hier wurden z.B. die Anfangsszenen von „Mission Impossible“ gedreht. Jedenfalls werden wir uns diese Stadt noch mal in Ruhe ansehen, diese erste Kurzvisite machte Lust auf mehr! So brachte uns dieser Tag viele tolle Eindrücke, müde Füße  und die Erkenntnis, dass Bustouren auch ganz schön sein können.

Wir hatten an diesem letzten Abend der Erzgebirgstour natürlich reichlich Gesprächsstoff und sicher werden Sven & Tine nicht das letzte Kapitel in dieser Erfolgsstory geschrieben haben. Die Gegend ist einfach schön und hat einiges zu bieten, was man leicht an unseren Bildern sehen kann. Und beim nächsten mal sind wir sicher wieder mit dabei!

Schöne Sterne – oder: wie wir in’s Ruhrgebiet kamen

Soso, „Schöne Sterne“ Treffen in Hattingen – ein Treffen für alle Fahrzeuge mit dem Stern vornedrauf. Organisiert von den Mercedes-Freunden.de, Aha. In 2012 hatten wir das auch schon im MBSLK Terminkalender gelesen und nicht weiter beachtet. Hört sich für uns irgendwie wie Manta-Treffen an und überhaupt, Hattingen? Hattingen – liegt das nicht in der Nähe von Hechingen und Metzingen? Da irgendwo im schwäbischen? Dann blieb mein Auge an dem Satz “ … vor der historischen Kulisse des Stahlwerks …“ hängen. Äääähemmm, da passt was nicht. Also schnell bei der allwissenden Tante Google nachgeforscht, und siehe da: Hattingen ist die zweitgrößte Stadt des Ennepe-Ruhr-Kreises in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt im südlichen Teil des Ruhrgebiets Punkt. Setzen Bernd – Geographie 5 ! Punkt.

Ok, das hätten wir gelöst und das mit dem Stahlwerk hört sich interessant an.  Auch hier ist man mit Wikipedia sehr schnell schlauer und findet raus, dass die Henrichshütte eins der traditionsreichsten Hüttenwerke des Ruhrgebiets war und 8.500 Mitarbeitern Arbeit gab. Ab 1987 erfolgte die schrittweise Stilllegung und heute ist z.B der ehemalige Hochofen 3 Bestandteil des LWL-Industriemuseums und Ankerpunkt der Route der Industriekultur. Also unter diesem Aspekt sollte man doch noch mal nachdenken … und so kamen wir zu dem Entschluss, dieses Treffen in unseren Terminkalender aufzunehmen. Und zwar nicht nur wegen dem Treffen, sondern ein bisschen Hauch von Ruhrgebiet sollte es schon werden, eine kleine Rundfahrt mit einigen Highlights der Route der Industriekultur wird sich schon finden. Ich war beruflich schon zwei- oder dreimal in Essen auf Tagungen und so ein kleines bisschen Sightseeing konnte ich schon einbauen, das sollte als Basis dienen.

Hochofen 3 - mehr ist nicht geblieben
Hochofen 3 – mehr ist nicht geblieben

Durch die Kommunikation im MBSLK-Forum war der logistische Rahmen schnell abgesteckt: Anreise Freitag, Hotel in Hattingen, Treffen und Ausfahrt am Samstag, Heimreise Sonntag. Nun kommt die Phase, die mir immer sehr viel Spass macht: die Planung.  Also mal bei Amazon Literatur besorgen, man will ja wissen, was einen da erwartet: Marco Polo Führer Ruhrgebiet, Entdeckungsreise Ruhrgebiet, Haldenführer, Pommesführer Ruhr (die 50 kultigsten Buden, falls man unterwegs Hunger kriegt), einen Atlas der Route der Industriekultur hatte ich schon. Tja, warum das alles? Vielleicht, weil man als Südhesse und Landei aus dem Odenwald das mit dem Ruhrgebiet so immer am Rande mitgekriegt hat. Damals, in den 70gern war das der Ruhrpott. Das kannte man nur aus dem Fernsehen – eine Industrielandschaft soweit das Auge reicht, Zeche an Zeche, Stahlwerke, Hochöfen, Kokereien. Die Krupps mit ihrer Dynastie, und Leute, die anders aussahen und anders sprachen als wir. Kohle im Gesicht und ein Helm mit Lampe auf. Das alles natürlich in Schwarzweiss und wo sonst konnte man Sätze mit hassamssa und hattata bilden? „Hassamsamstaach Schalke gesähn? Hattata gereeechnet!“

Gut – genug der Klischees, heute ist das Ruhrgebiet grün, es gibt noch genau eine Zeche, die Halden sind bewaldet und der Himmel ist blau. Dafür gibt es aber noch jede Menge Industriedenkmäler und ein paar wollten wir auf unserer Runde abfahren. Auch wenn ein richtiges Besichtigen wegen der knappen Zeit unmöglich war – wenigstens mal da gewesen sein und gesehen haben!

Aber fangen wir vorne an. Wie gesagt, so ein großes Treffen kannten wir nicht und wir wussten auch nicht genau was da auf uns zukam. Jedenfalls erreichten wir am Freitag Abend nach staureicher Anfahrt unser Hotel in Hattingen, das erstens sehr schön war und zweitens nur 10 Minuten vom Gelände entfernt lag. Unsere Erwartung, hier schon einige Teilnehmer, vielleicht sogar Bekannte zu treffen wurde nicht erfüllt – aber egal, ein leckeres Abendessen im Hotelrestaurant verwöhnte uns und liess die Stimmung steigen. Wir entschlossen uns zu einem kleinen Verdauungsspaziergang und wollten uns das Gelände der Henrichshütte schon mal anschauen. Es wurde schon dunkel, aber dank meiner Orientierung fanden wir über Fußwege und über eine verlassene vierspurige Strasse zum Ort unseres Interesses. Die Henrichshütte, genauer gesagt der übrig gebliebene Hochofen, war auch nicht zu übersehen da farbig illuminiert und eine echte Augenweide. Die Schilder und Plakate des Treffens hingen schon, aber sonst war alles verlassen, leer und tot. OK, nicht ganz: eine auffällig getunte C-Klasse fuhr vor und interessierte sich auch für diesen wundersamen Ort. Wir waren jedenfalls froh, schon angereist zu sein, denn diese abendliche Stimmung war irgendwie toll!

MBSLK bei den Schönen Sternen
MBSLK bei den Schönen Sternen

Der Samstag. Wir waren recht früh, da Andrang zu erwarten war. So gegen 9:15 Uhr rollten wir zum Gelände – jetzt war es nicht mehr verlassen und leer sondern eine Schlange von diversen Mercedes Automobilen stand vor dem Tor, das mit reichlich Ordnern besetzt war. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe macht stark und gibt Selbstbewusstsein – wir sind schließlich MBSLK und was sind schon die anderen ca. 1.700 Teilnehmer gegen uns 20? Also hinten anstellen? Ja nee, is klar, wir fahren an der Schlange vorbei, stellen uns vorne quer in den Verkehr und begrüßen erstmal in aller Ruhe Susanne und Roland, die wir da vorne entdeckt haben. Den wütenden Kommentaren anderer nicht-SLK-Fahrer konnten wir ein unschlagbares Argument entgegen setzen: wir gehören doch dazu! OK, wir sind dann einsichtig geworden und haben uns hinten angestellt …

Auf dem Gelände schob sich eine nicht enden wollende Kette von diversen Mercedes Modellen zu den meist reservierten Stellflächen der einzelnen Markenclubs. Sven hatte für uns eine Fläche für 20 SLKs gebucht, die wir auch erfolgreich gegen andere Platzsuchende verteidigten. Klappstühle wurden strategisch aufgebaut und Uwe hatte sogar Kuchen für alle dabei. Es wurde richtig gemütlich. Zeit, sich mal in Ruhe umzuschauen. Es gab wirklich alles, was einen Stern vorne drauf hatte. Vom Oldtimer über Nutzfahrzeuge, historische Feuerwehrautos, Geländewagen, die komplette PKW Palette bis hin zur schneller-tiefer-breiter Fraktion. Einige Info-Stände und eine Bühne, auf der einige besonders schöne oder interessante Fahrzeuge vorgestellt wurden. Womit wir wieder bei MBSLK waren, denn wir präsentierten dort den 171er von Matthias & Sabine, der mit allen seinen Umbauten ein echter Hingucker ist. Matthias konnte auch zu allen Details erschöpfend Auskunft geben und so blieb keine Frage der Moderatoren zu Klappenauspuff, Domstrebe oder Gewindefahrwerk unbeantwortet. Ganz im Gegensatz zum folgenden Fahrzeug. Ein carbonfolierter SLS rollte, die Flügeltüren offen und der Fahrer mit linkem Bein lässig herausgestreckt, auf die Bühne.  Auf die erste Frage des Moderators, was er uns denn zu seinem Fahrzeug sagen konnte: „Nichts, ich bin nur der Besitzer, da müssen Sie meinen Tuner fragen.“ Der kam dann auch gleich angewieselt und konnte zu den Details tatsächlich was sagen. Naja …

Gegen 15 Uhr starteten wir dann zu unserer Rundfahrt. Ich war ganz beruhigt, denn wir waren 6 SLKs und das ging noch. Wenn alle 20 mitgewollt hätten, das wär bei einer Tour durch die Großstadt nie gut gegangen! Wie gesagt, die Tour hatte ich mit meinen Reiseführern und Google Maps geplant – spannend.  Die erste Station – die Krupp-Villa Hügel – war schon ernüchternd. Kein Blick auf die Villa, denn die Zufahrtsstraße war mit einer Schranke gesperrt und ein Zerberus verlangte tatsächlich 5,- Euro pro Person für die Durchfahrt! Nein Danke, wir wenden lieber. Dafür drehten wir eine Runde durch die schöne Siedlung Essen-Margarethenhöhe und weiter ging’s über den Ruhrschnellweg nach Oberhausen. Dort zwang uns erstmal eine grauslige Umleitung mitten durch die Stadt und dann rollten wir schließlich an dem Ort vorbei, an dem im Ruhrgebiet alles begann. Die St. Antony Hütte wirkt heute eher idyllisch und ländlich.

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Tetraeder auf der Halde Prosper

Einen Stopp legten wir auf der Prosper-Halde am Alpincenter in Bottrop ein. Alpincenter? Ja, tatsächlich gibt es hier eine Abfahrtspiste in einer Halle! Für uns aber wesentlich interessanter war die Aussicht von hier oben. Mit Matthias hatten wir einen Ortskundigen dabei, der uns erklären konnte, was sich hier dem Auge bot. Toll! Ein bisschen Ruhrgebiet wie früher gab’s auch, die Kokerei Prosper ist noch in Betrieb und zeigte uns ihre Dampfwolken beim Löschen der Koksbatterien. Merkwürdig wurde es beim Weltkulturerbe Zeche Zollverein: dort erwartete uns ein beachtliches Aufgebot an Polizeiwagen. Oder waren es wohl die Horden von Jugendlichen in seltsamen Gewändern, die vom Gelände der Zeche zu wartenden Bussen zogen? Das ganze wirkte etwas surreal. Zumal zwei der Polizeifahrzeuge sich wohl zu nahe gekommen waren und etwas demoliert waren. Dass Gerd hinter mir bei diesem Anblick laut loslachen musste, war vielleicht nicht so ideal … denn gerade hier wurde unsere Kolonne durch eine der gefühlt etwa 200 Ampeln dieser Tour auseinander gerissen. Die Kolonnenregel sagt, an der nächsten Abzweigung auf den Hintermann warten. Wenn aber ausgerechnet da kein richtiger Platz zum warten da ist, kommt bestimmt jetzt ein Streifenwagen von hinten an und eine genervte Stimme sagt “ nu wirded aber Zeit zum Weiterfahren, woll!„. Schon waren wir zwei SLKs weniger …
Ich habe meine Gruppe schließlich wieder zusammen bekommen und gut am Hotel abgeliefert. Dort gab es heute Grillbuffet – ein würdiger Abschluss eines schönen Tages.

Am Sonntag fuhren wir noch kurz zum Treffen und plauderten noch etwas – schon interessant, wie man sich an so einer Domstrebe festreden kann. Muss man katholisch sein, um sie einzubauen? Gibt es auch eine Moscheestrebe oder eine Synagogenstrebe? Muss das Kühlwasser dann geweiht sein? Fragen über Fragen … Wir machten uns dann auf den Heimweg, nach zwei schönen Tagen mit einem abwechslungsreichen Programm warteten zuhause zwei Kätzchen und eine bequeme Couch. Und nächstes Jahr sind wir wieder dabei!

die Anbetung der Domstrebe
die Anbetung der Domstrebe

 

 

Die Bilder dieses Wochenendes gibt’s hier!

 

Landhotel mit schöner Speisekarte

Le Tour de France – die grosse Alpentour durch Frankreich und Schweiz im Juli 2013

Am Anfang steht der Prologue – für uns hiess das Anreise am Freitag zum gemeinsamen Treffpunkt im Pfälzer Wald bei Hinterweidenthal. OK, der lief bei uns nicht so gut. Spät losgekommen (Nein, ich hab nicht absichtlich getrödelt, bloss weil es da Schuhe zu kaufen gibt), Stau, Baustelle, Umleitung – also wurde telefonisch die Rennleitung in Gestalt von Guido verständigt, dass wir dem Feld zuerst als Verfolgergruppe folgen und unterwegs aufschließen wollten. Die Tour hatten wir im Navi, zumindest drei Halbetappen, also sollten wir spätestens bis Samstag Mittag aufgeholt haben ;-). Wir waren dann ganz gut im Verfolgen und holten das Peleton am ersten Verpflegungspunkt in Phalsbourg ein. Danach ging es gemeinsam weiter durch Lothringen zum Tagesziel: dem Hotel du Lac de Madine in Heudcourt-sous-les-Cotes. Heudcourt-sous-les-CotesJaaaa – ich weiss was Ihr jetzt denkt und Ihr habt recht, es war just in the middle of nowhere und es war einfach Spitze! Gemütliche Zimmer und eine Speisekarte … wir schlemmten ohne Ende auf der Terrasse, einfach göttlich. Achja, das gelbe Trikot ging für diesen Tag an Moni & Uwe vom Team Frankenexpress, die sich in einer Ausreisseraktion auf den letzten Kilometern vom Ende des Feldes absetzten und den Spurt knapp für sich entscheiden konnten.

Der zweite Tag begann mit morgendlicher Routine: nach gemütlichem Frühstück um 10 Uhr Briefing durch Guido, Ausgabe des „Tageszettels“ mit den nötigen Informationen, Dach auf, Sonnencreme, Sonnenbrille und das Feld setzt sich in Bewegung. Wir fanden unseren Platz am Ende der Kolonne, dort kann man gute Fotos machen und ab und zu einen Zwischenspurt einlegen.

An diesem Samstag führte uns die Etappe durch französisches Hinterland durch die Regione Lorraine und Franche-Comté. Eine ländliche Gegendmit verträumten Sträßchen und romantischen Dörfern, die oft sehr schön mit Blumen dekoriert sind. Also so richtig schön zum cruisen. Von unserer Position als arrière de la course konnte ich viele schöne Bilder machen. Versorgungsstation für diese Etappe war ein großes Einkaufszentrum bei Vittel (ja genau, da wo das viele Wasser herkommt). Eine gute Wahl der Tourleitung, denn hier gab’s alles – vom (günstigen) Sprit über Snacks bis zu kühlen Getränken.

Das Etappenziel war Besançon – und zwar im Gegensatz zum Freitag ein Hotel mitten in der Stadt. Der zu erwartende Massenspurt um den Tagessieg blieb aus, da sich kurz vor dem Hotel eine Baustelle breit gemacht hatte und zusätzlich Sperrungen wegen eines Wochenmarktes auftauchten. Wir vergeben das gelbe Trikot aber an Guido & Claudia vom Team Schwabenmetropole, die uns trotz aller Widrigkeiten bestens an’s Ziel brachten. Zumal es noch eine Sonderprüfung gab …

Besançon ist nicht nur ein schönes Städtchen mit lebhaftem Zentrum sondern hat – auf einem Berg über der Altstadt – eine mittelalterliche Zitadelle. Diese wollten wir noch besuchen und Guido hatte eine Buslinie gefunden, die uns von einer Haltestelle gleich um die Ecke bis hinauf zur Festung bringen sollte. Um die Ecke war heute aber die Baustelle und der Markt … und keine Haltestelle der Linie 17 mehr! Jedenfalls heute nicht, morgen wieder. Morgen wäre für uns aber blöd 😉 OK, hier war Einsatz gefordert und Guido konnte nach diversen Befragungen von Busfahrern anderer Linien die aktuelle Kursführung der Linie 17 rekonstruieren (nein, die sprachen kein Deutsch!). Nach einer kurzen Wanderung und bangem Warten kam sie dann tatsächlich, die 17 und brachte uns nach einem spektakulären Aufstieg zur Zitadelle. Dort genossen wir die schöne Aussicht und andere Sehenswürdigkeiten. Der Abend klang nach einem Schlemmeressen in der Altstadt aus und die Atmosphäre der Strassencafes im warmen Sommerabend liess uns noch etwas bummeln.

Bummel durch BesanconDer Sonntag begann wieder mit dem Briefing und der Vorfreude auf die ersten Bergwertungen – zwar noch nicht der höchsten Kategorie, aber das Jura und die ersten Ausläufer der Alpen versprachen Kurvenspass. Wegen der Baustelle wurden die ersten Kilometer als Einzelzeitfahren bis zum Treffpunkt außerhalb der Stadt ausgetragen. Das konnten Wilhelm & Iris vom Team Radio Franggn für sich entscheiden. Die Etappe führte zuerst nach Süden über schöne z.T. kleine Kurvenstraßen durch das Jura und bog bei Annecy nach Osten ab. Annecy …. es war Sonntag! Sonntagsfahrer, Sonntagsmotorradfahrer, Sonntagsradfahrer, Sonntags-es-ist-schönes-Wetter-und-ich-will-raus-zum-Seefahrer – die „echte“ Tour de France rollte an diesem Tag zwar durch die Pyrenäen, aber hier war genausoviel los! Dass wir da ohne Verluste durchgekommen sind! Am Nachmittag waren die Alpen am Horizont zu sehen und das Peloton rollte geschlossen am Ziel in Chamonix im Schatten des Mont Blanc ein. Für diese Etappe vergab ich das weisse Trikot des besten Nachwuchsfahrers an mich selbst vom Team Bembel Bank – warum? Nachwuchsfahrer haben noch viel zu lernen, ich z.B., dass Chamonix kein verträumtes Bergdorf in der Schweiz ist … OK, Lektion gelernt 😉

Das Hotel war wieder bestens gewählt, nachdem wir uns durch eine Horde japanischer Touris zu unseren Zimmern gekämpft und etwas frisch gemacht hatten, stand eine Stadtführung auf dem Programm. Danach war wieder Schlemmen angesagt, was nach anfänglichem Kampf mit der französischen Speisekarte dann auch bestens gelang. Die Bedienung war nicht zu beneiden, brachte aber genug Geduld auf, uns zu erklären (zumindest zu versuchen), was es mit den Köstlichkeiten auf sich hatte. Luxus hat seinen Preis, und der war auch recht heftig – aber wir waren schließlich im französischen Chamonix und nicht in einem kleinen Schweizer Bergdorf! Dann gab’s noch die letzte Hürde des Tages: bezahlen! Wie in Frankreich üblich, war auch hier die Bedienung nicht zu bewegen nach Personen abzurechnen, sondern legte jeweils die Rechnung für den Tisch auf denselben. Wir konnten dann die Summe irgendwie untereinander aufteilen. Andere Länder, andere Sitten.

Von dem schönen Hotel konnten wir uns am nächsten Morgen kaum trennen, aber uns erwartete die Königsetappe: quer durch die Schweiz, über Martigny, Furka, Andermatt, Oberalppass, Rheintal bis Chur und dann nach Norden zum Bodensee. Satte 420 Kilometer, wobei wegen der Länge der Etappe einige Autobahnkilometer eingestreut waren. Die Highlights der Pässe waren einfach toll! Das Wetter spielte mit (bis auf einen kleinen Gewitterschauer am Oberalppass) und wir konnten eine Kehre nach der anderen genießen. Hier entschied sich die Bergwertung und das gepunktete Trikot ging an Ria vom Team Lower Saxony, die erstmalig mit ihrem Uwe die Kurvenhatz genießen konnte.

auf dem FurkapassNach einer Abschlussrast im Grand Canyon des Rheins endete die Tour praktisch in einer Überführungsfahrt über Bregenz nach Friedrichshafen. Und dass es dabei noch einen äußerst heftigen Gewitterguss gab, wurde als gutes Timing der Orga gewertet, schließlich wurden so unsere Fahrzeuge schön gewaschen. Kurz vor Bregenz steuerte Guido noch die wahrscheinlich günstigste Tankstelle westlich des Urals an – 1,499 € für den Liter Super 98 werde ich wohl so schnell nicht mehr tanken können. Am Abend war optional in Friedrichshafen noch ein Abschlussessen eingeplant, was sich keiner der Gruppe entgehen liess. Dieser letzte Abend war einfach nötig, um diese schöne Tour gemeinsam noch einmal Revue passieren zu lassen. Leider überfielen uns dann aber Horden von Mücken, sowas hatten wir noch nicht erlebt! Sogar der Wechsel von der Terrasse in’s Innere brachte kaum Besserung. Wir waren nur am klatschen und hauen. Gegen 23 Uhr zogen wir dann ab – die Mücken auch.

Tja, als Resümee kann ich nur sagen, das war mein persönliches Event des Jahres! Es passte einfach alles, die Organisation war perfekt, aber nicht übertrieben, es waren vier wundervolle Tage. Ein großes DANKESCHÖN geht an Guido & Claudia für die Arbeit, die sie sich für uns gemacht haben. Und eine Bemerkung zum Thema Vorurteile: wir sind in Frankreich trotz mangelnder Sprachkenntnisse immer gut behandelt worden, im Restaurant gab man sich Mühe mit uns und alles klappte mit einem freundlichen Lächeln. Bei der nächsten Tour de France sind wir wieder am Start!

Und wer mehr Bilder sehen möchte – bitte hier geht’s lang

Scampi mit Tomatensauce

Hahntennjoch

Alpenschnuppertour 2013

Wie war das noch? Was spannendes, was zum spielen und Schokolade?! Ja genau – das alles in einem soll es bitte sehr sein. Nur, dass es hier nicht um Ü-Eier sondern um MBSLK-Ausfahrten geht. Aber eigentlich beschreibt es ganz gut das Anforderungsprofil einer Orga, wenn man den MBSLKlern ein gelungenes Wochenende bieten will. Auf unsere Alpenschnuppertour übertragen hiess das: etwas Kultur zum anschauen, viele schöne Kurven zum austoben und natürlich eine gute Küche für das leibliche Wohl. Also, wenn’s weiter nichts ist … 😉

Nun war dies ja schon unsere 3. Alpenschnuppertour und somit konnten wir auf logistische Erfahrungen zurückgreifen. Mit dem Sulzberger Hof war das Hotel quasi gesetzt, denn dort waren wir 2012 bestens aufgehoben und so wurden für den 13. bis 16. Juni alle Zimmer reserviert. Was kann man einer Truppe zum Thema Sightseeing bieten? Nun, da bietet sich doch der Märchenkönig Ludwig II. an, der im Allgäu mit seinen Schlössern bleibende Spuren hinterlassen hat. Naja, und zum austoben gibt’s nun wirklich genügend Pässe, Kurven und Serpentinen in der Gegend! So sehen also die Eckpunkte der Planung aus. Was daraus in der Praxis wurde soll nun hier geschildert werden.

Sulzberger HofAm Donnerstag, den 13. Juni 2013 traf sich eine bunte Gruppe von 33 Teilnehmern in Sulzberg. Das Allgäu begrüßte uns mit einem strahlend blauen Himmel und als Überraschung erwartete uns eine Abordnung des Allgäu-Stammtischs incl. eines extra für uns angefertigten Begrüßungsbanners! Anton führte uns auf einer Einführungrunde durch die nähere Umgebung, die viele schöne Ausblicke bot und Lust auf mehr machte. Die Gegend ist halt einfach grandios! Danach konnte dann das erste Bier auf der Terrasse genossen werden und der Abend klang mit reichlich Gesprächen der internationalen Clique aus Holland, Belgien, Tschechien und Deutschland aus. Merke: wenn MBSLK unterwegs ist, wird vom Personal Durchhaltevermögen erwartet!

Der Freitag begann etwas bedeckt – über Nacht war eine Gewitterfront durchgezogen und hatte nasse Strassen hinterlassen. Besserung war aber angesagt. So begannen wir unsere Tour vorübergehend geschlossen. 340 Kilometer standen auf dem Programm, das uns zuerst auf Nebenstraßen durch das Voralpenland über den Starnberger See bis Bad Tölz führte. Nach einer kleinen Schleife um Walchensee und Kochelsee wurde eine Brotzeit in der Höhlmühle nahe Murnau eingelegt. Die Strassen waren abgetrocknet und das Dach offen, jedoch verhinderten tiefe Wolken immer noch den Ausblick auf die schönen Berge. Dafür gab es nun Einblicke in das Leben des bayerischen Königs Ludwig II., dessen Schloss Linderhof wir auf dem Weg zurück nach Sulzberg besuchten. Hier war präzise Tourplanung gefordert, denn der Termin für die Gruppenführung musste eingehalten werden. Schloss Linderhof ist das kleinste der Königsschlösser, wurde aber tatsächlich von Ludwig II. bewohnt (im Gegensatz zu Neuschwanstein). Die kurze Führung war natürlich ein Kompromiss – sicher hätte man hier viel mehr Zeit verbringen können, aber durch die Länge der Tagestour ging halt nicht mehr. Schliesslich waren wir ja zum fahren unterwegs.

was für die Sinne

Noch ein Tankstopp zu günstigen Preisen in Reutte, es kam dann auch die Sonne zum Vorschein, und schon machten wir uns auf die letzten Kilometer gen Heimat. Auf der Terrasse war dann erstmal ein Bier angesagt. Jedenfalls für die meisten, einige gönnten ihrem SLK noch eine Wäsche, denn die nassen Strassen hatten ihre Spuren hinterlassen.

Der Samstag begrüßte uns mit Sonnenschein und einem strahlend blauen Himmel. Genau richtig für die geplante Tour durch alpines Gelände! In zweieinhalb Gruppen starteten wir zur Tour, die zum Höhepunkt des Wochenendes gehörte. Während sich hinter Gerhard und Limbi jeweils etwa 8 SLKs einreihten, hatte ich nur noch 2 Autos in der Gruppe. Tja, vielleicht sollte ich doch mal an meinem Image arbeiten … 😉 Jedenfalls hatten wir Glück: das Namlosertal ohne Verkehr, das Hahntennjoch ungehindert hinauf, kein Wohnmobil oder 500er Fiat als Bremsklotz unterwegs, weiter über Imst zum Arlberg – es war einfach schön! Allerdings wirken die im Sommer verlassenen Hotelburgen von Zürs und Lech nicht sehr einladend. Die Mittagspause verbrachten wir wieder im Kanisfluh bei Schnepfau bei schöner Aussicht und gutem Essen. Und weil uns das rauf und runter so gut gefallen hatte, ging’s am Nachmittag nochmal über Faschinastrasse und Furkapass in das Rheintal hinunter. Der blaue Himmel, die hochalpine Aussicht und der Kurvenspass – die 380 Kilometer dieser Tagestour vergingen wie im Flug. Quasi zum auspendeln bot sich dann nach Dornbirn (mit grossem Bodensee-Panorama) die Route über Balderschwang und Riedbergpass an. Dort oben kehrten wir noch zu einem Kaffee ein, wobei einige doch den direkten Rückmarsch mit der Aussicht auf ein gepflegtes Weizen auf der Hotelterrasse vorzogen.

auf dem PassUnsere 3. Alpenschnuppertour klang dann mit einem zünftigen bayerischen Buffet aus, bei dem uns die Küche des Sulzberger Hofs nochmal so richtig verwöhnte. Auch Peter & Monika und Franz vom Allgäu-Stammtisch waren zum Buffet gekommen um den Abend mit uns zu verbringen. Noch lange bis in die Nacht wurde in Grüppchen palavert, drinnen oder draussen. Und ja, ich denke, das mit dem Ü-Ei haben wir hingekriegt.

Auch hier gibt’s natürlich noch mehr Bilder: hier ist die Bildergalerie.

Käse

Springbreak 2013 in Holland

Springbreak 2013 – also Holland. Holland …. hmmmm …. Holland??? Da waren wir noch nie! Keine Ahnung was da auf uns zukommt, aber reichlich Vorurteile: flach, Käse, Wohnwagen, viel Wasser, Wohnwagen, Tulpenblüte, Campingplätze, Wohnwagen, gelbe Nummernschilder, Fahrräder, Wohnwagen, Grachten, Wohnwagen …. Aber OK, mit Kleis und Gijs steht die Orga auf festen Beinen, da kann eigentlich nix schief gehen. Und neugierig sind wir ja auch!

Rückblende: Das Thema kam in Bramsche auf, beim Springbreak 2012, wie’s halt so geht bei tollen Veranstaltungen: da wird man kreativ und die besten Ideen werden geboren. So wohl auch bei den Holländern. Und schon gab’s einen Termin in Holland. Wir haben uns das dann gut überlegt und kamen zu dem Entschluss: wenn ja, warum nicht? Dann aber mit Verlängerung! Das Angebot, das unsere holländischen Freunde dann zusammengestellt hatten, war aber zu verlockend. Eine schöne Gegend am Meer, ein tolles Hotel – da sollten zwei zusätzliche Tage schon drin sein!

Also machten wir uns am Mittwoch, den 17. April zusammen mit Tanja & Werner auf den Weg in das terra incognita, auf zu neuen Ufern im wahrsten Sinn des Wortes. Immerhin brauchten wir kein Geld zu wechseln. Immerhin hatte sich kurzfristig der endlose Winter doch verabschiedet und wir konnten entspannt auf Plan A wie AMG und Sommerreifen zurückgreifen. Hinter Köln begann für uns dann unbekanntes Land, wobei Holland ja fließende Grenzen hat. Ja, eigentlich beginnt auf der A3 schon holländisches Territorium, zumindest wenn man in der Urlaubszeit die Kennzeichen der Fahrzeuge betrachtet. Unser Navi kannte sich aus, kurz hinter Aachen waren wir schon in Holland. Und schon wieder draussen! Nein, sooo klein ist Holland nun auch wieder nicht – es lag nur ein Zipfel Belgien im Weg. In Belgien scheint’s den Strom umsonst zu geben: komplette Beleuchtung auf der Autobahn! Ist aber auch sinnvoll bei den vielen unübersichtlichen Kurven dort …. 😉

Dann endlich und wirklich: Holland! die letzten Kilometer Autobahn ( 4 der 8 Zylinder hatten schon seit Belgien Urlaub und die Arbeit mangels Nachfrage eingestellt ) und schon kam gleich an der Ausfahrt Middelburg das Hotel in Sicht. Ein schönes neues Geschäftshotel, am Stadtrand gelegen und ideal als Event-Stützpunkt. Ein sehr netter Empfang und Zimmer, also Zimmer – da haben wir nicht schlecht gestaunt: sehr schön und mit einem Bad, bei dem man sich im Dunstschleier nach dem Duschen verlaufen konnte. Der erste Abend wurde im Hotel verbracht, das Restaurant wirkte zuerst fast zu nobel, überzeugte dann aber durch eine überaus leckere Küche und reichliche Portionen.am Strand

Donnerstag und Freitag nutzten wir dann, um uns ein Bild der Umgebung zu machen. Bei der Besichtigung der schönen Stadt Middelburg staunten wir erst mal: am Parkplatz war ein Parkschein zu lösen – aber am Automat hatte sich eine Schlange gebildet. Warum war uns klar, als wir selbst an der Reihe waren. Zuerst musste das Kennzeichen eingegeben werden und dann minutengenau (!) die gewünschte Parkzeit. Die Parkwilligen drückten die Tasten wie süchtige Spieler in Las Vegas am Spielautomaten. Zur Belohnung gab’s dann aber einen Bummel durch ein wirklich hübsches Städtchen mit jeder Menge Fotomotiven. Es war auch noch Wochenmarkt und wir konnten uns die regionalen Produkte ansehen und kosten. Von unseren Vorurteilen konnten wir die Fahrräder bestätigen. Holländer bewegen sich offensichtlich meistens auf dem Fahrrad und genießen dann den exclusiven Status der bedingungslosen Vorfahrt. Jede Orts-Strasse hat beidseitig aufgemalte Fahrradstreifen und wenn Radfahrer nebeneinander fahren, dann ist ihr Kommunkationsbedürfnis heilig und der Autofahrer stellt sich halt hinten an. Aber es gibt ja genug zum schauen unterwegs. Die schönen Häuser, Windmühlen, man könnte dauernd stehen bleiben und fotografieren. Dann endlich das Meer! Blauer Himmel, viel Wind und der Strand – das war ein göttlicher Moment! Einfach herrlich, da über den Strand zu gehen durch den weissen Sand und die Brandung zu bewundern. Direkt über dem Meer fanden wir dann noch ein Lokal zum Abendessen mit viel Fisch auf der Speisekarte, Sonnenuntergang inclusive. Einfach Begeisterung pur!

Freitagnachmittag wurde der SLK noch gewaschen, dann wurde es Zeit für das „offizielle“ Springbreak.Morgenstimmung

Am Hotel hatte sich einiges getan. Die Orga in Gestalt von Kleis hatte die Parkplätze abgesperrt und nummeriert, beim Einlaufen wurden wir offiziell begrüßt und durften unser Informationspäckchen entgegennehmen. Der SLK fand seinen farblich sortierten Abstellplatz, passend für die Ausfahrt aufgestellt. Das hatten wir doch schon irgendwo so durchexerziert, oder? Die Begrüßung aller so langsam eintreffender Bekannter zog sich durch den ganzen Abend. Vielleicht sollten wir uns in Zukunft einfach alle abends im Kreis aufstellen und gegenseitig um den Hals fallen, das würde einiges einfacher machen 😉

DeichrennenSamstagmorgen, strahlend blauer Himmel – es geht pünktlich los! Beim Briefing wird angekündigt, dass es die ersten zwei Stunden ohne Stopp durch geht. Schnell noch mal auf’s Klo, das könnte eng werden! Gijs führt uns zuerst über kleine, verwinkelte Nebenstrassen um Middelburg herum, dann überqueren wir die Oosterschelde und machen eine Stadtrundfahrt durch Zierikzee (doch, habbich richtig geschrieben). Ein hübsches Städtchen mit kleinem Hafen, das wäre auch einen Stopp wert gewesen. Dann geht’s weiter direkt an der Oosterschelde und Jachthafen vorbei, alles klappt vorzüglich, bloss meine Blase hat Springflut. Aber die Holländer haben vorgesorgt, riesige Sperrwerke gebaut und Gijs bringt uns zum Mittagsstopp – ein großer Parkplatz direkt hinter der Düne mit Imbiss und – WC! Auch hier zeigt sich die akribische Orga: das MBSLK Banner hängt schon und der Imbiss erwartet uns schon mit lecker Sandwiches. Am Strand kann man sich wieder Sand in die Schuhe laufen. Oder zusehen wie Edwin mit seiner Gruppe ankommt – also erst die Gruppe, dann Edwin 😉 Der Nachmittag führt uns zurück über das Sperrwerk Neeltje Jans und in Veere gibt’s nochmal eine Stadtrundfahrt. Sehr beeindruckend und da jetzt alle Gruppen direkt hintereinander sind, ist das auch für die Touristen im Ort ein Schauspiel – fast 80 Autos! Dann mein persönliches Highlight: hinter Domburg geht es quasi über den Deich direkt an den Strand. Der Deich ist dort asphaltiert und die Kolonne fährt praktisch Steilwandkurve ohne Kurve am Leuchtturm vorbei! Genial. So geht’s in lockerer Formation bis zum Kaffeestopp, wo dann auch gleich hangabwärts geparkt wird. Einfach irre, Holland hat zwar keine Pässe, aber sowas sucht man in den Alpen vergebens! Die letzte Etappe ging dann mit allen Fahrzeugen am Stück (auch das hat geklappt) über den Boulevard von Vlissingen. Eine perfekte Tour, an dieser Stelle nochmal symbolisch für die Orga „high five“ und la Ola.

Der Abend fand uns im Aussichtsrestaurant des Hotels, quasi auf höchster Ebene, zum Gala-Buffet. Hier konnten wir uns genüsslich den Bauch vollschlagen, es wurde viel geredet und die Orga konnte auf ein gelungenes Springbreak zurückblicken. Das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben und jetzt am Ende eines erfolgreichen Events zu stehen, konnte man gut nachvollziehen. Der Abend endete für die meisten dann irgendwie spät in der Bar, der Gesprächsstoff wollte nicht enden und es war einfach schön!

Am Sonntag nahmen wir mit den meisten Abschied, einige blieben noch, um sich in Ruhe umzuschauen. Ein Event der Extraklasse hat seinen Eindruck hinterlassen und Holland sieht uns bestimmt wieder. Ohne Vorurteile!

Wer noch Lust auf Bilder hat, bitteschön hier klicken!

Schmucker Brauerei

Schmucker Brauerei im März

Was macht man, wenn man einen HEST im Winter organisieren will, eine Ausfahrt aus klimapolitischen Realitäten aber nicht zur Debatte steht? OK, dann wenden wir uns also der Kultur zu! Es schadet ja auch nix, wenn man nicht nur sinnlos durch die Landschaft saust, -zig Liter Superkraftstoff in seine Oxidationsprodukte überführt und der staunenden Bevölkerung zeigt, dass es SLKs fast nur in silber und schwarz gibt …
Nein, im Winter werden wir uns mal um die Bildung kümmern, jawoll! Wäre doch gelacht, wenn sich außer Kochkässchnitzel und Käsekuchen nicht auch noch geistige Nahrung finden würde. Schließlich zeigt der tägliche Blick in’s MBSLK.de Forum doch, zu welch intele … intelle … intelek … äh also quasi (wo ist denn hier die Rechtschreibprüfung auf der Tastatur!) … jedenfalls werden da immer ganz schlaue Beiträge geschrieben und wir als SLK-Fahrer haben da ja auch eine Vorbildfunktion. Ufff … – also Bildung! Gut, dass wir hier im Rhein-Main Gebiet mit Frankfurt ja bekanntermaßen die Kulturmetropole vor Augen haben.

Also schauen wir mal: was gibt’s denn so im Angebot … Aha, da wäre z.B. im Dialogmuseum „Dialog im Dunkeln – Ausstellung zur Entdeckung des Unsichtbaren“, sicher ein gutes Roadster-Thema. Aber auf Nachfrage hätten wir da höchstens mit 50 Personen teilnehmen können – und das erscheint uns bei dem bewegenden Thema doch zu wenig. „Der junge Goethe in Frankfurt am Main“ im Goethe-Haus wäre sicher auch ein Knaller – aber da kann man so schlecht parken. Na ja, wir wollen Euch nicht mit dem komplexen Auswahlprozess der Orga für den 77. HEST langweilen – letztendlich haben wir uns für eine Brauereibesichtigung in der Schmucker-Brauerei im Mossautal entschieden ;-)))

Am Samstag, den 16. März – also im Monat des Frühlingsbeginns – traf sich eine quasi internationale Truppe von MBSLKlern auf dem Hof der Brauerei. Aus dem Saarland, aus Baden-Württemberg waren sie gekommen. Und ein paar Hessen waren natürlich auch dabei. Auch ein SLK stand auf dem Parkplatz. Ja, genau einer! Es lag nämlich noch Schnee im Odenwald, und nicht nur da. Der nicht enden wollende Winter vertrieb jeglichen Gedanken an eine Ausfahrt – aber OK, wir wollten uns ja auch kulturellen Aspekten widmen.

Die Schmucker-Brauerei lag einsam und verlassen da an diesem Samstag, gebraut wird eben nur werktags. Aber pünktlich um 16 Uhr öffnete sich für uns das Werkstor und unsere Führerin erwartete uns. Los ging’s mit der einstündigen Führung und zwar zuerst mit dem theoretischen Teil (ich sag’s doch – Kultur!): woraus besteht das Bier? Hopfen und Malz, Wasser – klar, wissen wir (nein Tanja, Cola gehört nicht dazu). Aber schon beim Thema Hopfen sollte unser Weltbild den ersten Knacks bekommen. Was wird vom Hopfen verwendet – die Dolden, also die Blüten. Aber hier nur und ausschließlich die WEIBLICHEN. Jawoll, Ihr habt richtig gehört! Die männlichen Blüten taugen nix, hängen nur mickrig rum und geben einen schlechten Geschmack. Darum sind Hopfenfelder komplett weiblich. Wer’s nicht glaubt, lese bei Wikipedia nach. Glaubt uns: auch wir mussten diese Erläuterungen unserer Führerin erstmal verdauen. Da standen wir nun in den Gängen der Brauerei und so langsam setzte sich die Erkenntnis in unseren Gehirnwindungen fest: Bier ist ein feminines Getränk! So, jetzt isses raus, die Geschichte des Biertrinkens, so wie wir es kennen, wird neu geschrieben werden müssen. „Schatz, es wird heute Abend etwas später, wir haben ein feminines Anliegen“ …

Ihr seht schon, bierernst ging es nicht gerade zu! Auf unserer Tour durch die Produktionsanlagen konnten wir dann die weiteren Fakten aufnehmen: 17 Sorten Bier werden hier gebraut, die Brauerei versorgt hauptsächlich die nähere Umgebung im Odenwald mit Gerstensaft und das seit 1780. Seit 2006 gehört Schmucker zur Brau Holding International, wird aber als eigenständiges, familiäres Unternehmen geführt. Malzlager, Sudpfannen, Gärtanks, Flaschenreinigung, Abfüllanlage … nachdem wir dem Weg des Bieres gefolgt waren, erwartete uns im Sudhaus der krönende Abschluss der Führung: eine Stunde lang durften wir nach Herzenslust die Produkte der Schmucker-Brauerei verkosten. Natürlich nahmen wir das zum Anlass, die frisch erworbenen Kenntnisse gemeinsam zu reflektieren und in den sozio-kulturellen Kontext zu positionieren. Ihr seht schon, es wurde einiges geschluckt. Inwieweit der „Rosébock“ jetzt allerdings mit dem feministischen Gedanken zu vereinbaren ist, konnte nicht ausdissudiert, aussdik … geklärt werden.

Da Kultur nie einseitig sein darf, stand auch noch ein Besuch des zugehörigen Brauereigasthofs auf dem Programm. Das war auch sicher nötig, denn nach der Bierverprobung brauchte der Magen was handfestes. Das Mälzerschnitzel harmonierte prächtig mit dem Bier und auch die anderen Leckereien der Speisekarte lockten zum reichlichen Verzehr. Kurzum, es wurde ein seeeehr lustiger Abend, irgendwie konnte der Unterschied zwischen Haupt- und Seitenständer noch geklärt werden und Ihr merkt schon, dass es keinen Sinn macht hier noch weiter in den Einzelheiten zu wühlen. Manche Sachen muss man einfach erleben …
Fast alle hatten die Option der Übernachtung gewählt – äußerst sinnvoll, denn den perfekten Dreiklang bilden hier Brauereiführung – Brauereigasthof – Brauereihotel. Soviel zum Thema Kultur!

Am nächsten Morgen saßen wir noch gemeinsam gemütlich beim Frühstück beisammen und bewunderten den leichten Schneefall, der draußen den Odenwald schon wieder leicht überzuckerte. Irgendwann wird auch mal der Frühling kommen – vielleicht beim nächsten HEST!